… oder ich betrachte mich selbst.
Gut gut, ich bin repetitiv. das ist mein Resümee als ich Bilanz ziehen wollte zwischen diesem und letzten Jahr. Gott, nein ich bin nicht einmal wiederholend, das Ganze grenzt schon mehr an eine bipolare Störung. Ich durchlebe meine Hoch- und Tiefphasen, allerdings nicht so wie jeder normale Mensch dies im Verlaufe seines Lebens auch tut, nein – seit meinem 11ten Lebensjahr ist es bei mir ein permanentes Persönlichkeitswechseln. Ein Auf und Ab nach „Laune“. Vielleicht bin ich nicht facettenreich, vielleicht habe ich nicht einmal Ansatzweise multiple Aspekte meiner Persönlichkeit, vielleicht bin ich einfach nur krank. Mein Selbstbewusstsein sinkt und steigt wie die Sonne an jedem Tag, meine Einstellung zum Leben pendelt zwischen alles egal zu einem Grund zu leben zurück zu alles egal. Sturm und Drang wechselt mit Monotonie, Alkoholmissbrauch wechselt mit Nüchternheit. Meine Frage an mich selbst ist: Wer bin ich, wo bin ich und vorallem wie bin ich? Das Ganze könnte man tatsächlich als Leben und Lernen abstempeln wäre da nicht diese Struktur zu erkennen. Ja mir ist eine Art System hinter meinem Verhalten aufgefallen das von verschiedensten Faktoren, unter anderem auch metrologischen, beeinflußt wird aber hauptsälich ein relativ instabiles Muster aufzeigt, dass sich immer wieder wiederholt. Phase 1 würde ich als die Vorfreude definieren, ich bin gut gelaunt, umgänglich und habe Ziele. Phase 2 wäre dann der Sturm, mir gehört die Welt, es ist meine Welt, „verpiss dich von meiner Welt“, ich bin mit mir selbst überzufrieden und bin ungut zu meinen Mitmenschen. Ich lebe das Leben in vollen Zügen mit einem Gefühl der Athanasie das schlimmer ist als jeder Drogenrausch. Ich verfolge meine Ziele und erreiche sie auch sofern das während dieser Phase möglich ist. Phase 3 ist die kurze Phase in der die Sturmphase rapide abklingt, vergleichbar mit der Vorfreude. Gefolgt von Phase 4, welche ich um metaphorisch richtig zu bleiben als „Verwüstung“ bezeichne, nichts ist mehr zu erreichen – alles scheint unendlich fern und auch der Antrieb fehlt mir, ich erlebe ein Gefühl der Sinnlosigkeit. Das Leben ist nicht lebenswert und ich klammere mich verzeweifelnd an die Überreste der Sturmphase, für gewöhnlich ist die Dauer dieser Phase fast exakt so lang wie die Dauer der Sturmphase. Allerdings endet sie nicht wie die Sturmphase in einem bestialischen Höhepunkt, in dem ich mir sogar Demigott gleiche Kräfte zurrechnen würde, nein sie klingt still und heimlich langsam aber stätig ab und geht zurück in die Phase der Vorfreude. Dieser Algorithmus würde mein komplettes Leben berechnen, seltsam oder? Die Erkenntnis ist bitter und doch sollte sie Ansätze zur Lösung dieses Problems offenbaren. Einerseits erfreut, andererseits bitter. Mal sehen was ich aus diesem Resultat folgere und ob ich daraus eine Lehre für mich selbst, aus mir selbst ziehen kann. Therapiestunde für mich selbst vorrerst beendet. Akten geschlossen.
Ich hoffe das ich demnächst mal wieder zu etwas mehr Gesellschaftskritik komme, da sich das Ganze hier langsam zu einem bizzarren Tagebuch verformt.
so long
kj ~
